Wohnortnahe Unterstützung als Schlüssel zur Integration
Geflüchtete Menschen stehen nach ihrer Ankunft in Deutschland vor vielfältigen Herausforderungen: Von aufenthaltsrechtlichen Fragen über den Zugang zu Bildung bis hin zu Behördenangelegenheiten und psychosozialen Belastungen. „Durch die Ausweitung des Beratungsangebotes verkürzen wir die Wege und sorgen dafür, dass Unterstützung schneller erreichbar wird. Das ist ein wichtiger Schritt für eine gelingende Integration“, betont Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein. Sie ergänzt: „Integration gelingt am besten dort, wo Menschen leben. Deshalb setzen wir bewusst auf wohnortnahe Angebote, die Orientierung geben und Teilhabe von Anfang an ermöglichen.“
In der Beratungsstelle zeigt sich der Bedarf deutlich. „Die Menschen sind sehr dankbar, dass sie nun keine langen Wege mehr zurücklegen müssen, um Beratung zu erhalten“, berichtet Reza Hashemi, Migrationsberater der Diakonie Altholstein in Hanerau-Hademarschen. „Wir unterstützen insbesondere beim Ankommen in Deutschland und gehen gemeinsam erste Schritte für eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft und das Erwerbsleben“.
Herausforderungen im ländlichen Raum und Starkes Engagement vor Ort
In den letzten Jahren hat sich die Gemeinde Hanerau-Hademarschen durch die Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten spürbar weiterentwickelt. Mit dem steigenden Bedarf an Betreuung, Wohnraum und strukturierten Abläufen wurden bestehende Angebote ausgebaut und neue Unterstützungswege geschaffen. Verwaltung, Politik, Wohlfahrtsverbände und viele ehrenamtlich Engagierte arbeiten dabei zunehmend gemeinsam daran, Integration vor Ort praktisch umzusetzen. Ziel ist es, Geflüchteten eine verlässliche Perspektive zu bieten und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Gemeinde nachhaltig zu stärken.
Gleichzeitig bestehen aber strukturelle Herausforderungen, die typischerweise in ländlichen Gebieten vorherrschend sind: Begrenzte Angebote an Sprach- und Integrationskursen sowie längere Wege zu Beratungsstellen erschweren den Zugang zu Unterstützung. Auch der öffentliche Nahverkehr ist weniger stark ausgebaut, was den Zugang zu Arbeit, Bildung und Behörden zusätzlich erschwert.
Hinzu kommen generelle Hürden, die jedoch nicht nur in ländlichen Räumen eine Herausforderung darstellen: der Einstieg in den Arbeitsmarkt, etwa durch Sprachbarrieren, fehlende Anerkennung von Abschlüssen und eingeschränkte Qualifizierungsangebote wird erschwert. Auch die soziale Einbindung erfordert besondere Aufmerksamkeit: Gewachsene Strukturen bieten Stabilität, sind jedoch für Zugezogene nicht immer leicht zugänglich. Viele Unterstützungsangebote beruhen zudem auf ehrenamtlichem Engagement, dessen Kapazitäten begrenzt sind.
Gleichzeitig verfügt Hanerau-Hademarschen über ein aktives Gemeinwesen. Vereine, Initiativen und soziale Träger schaffen wichtige Begegnungsräume und fördern den Austausch zwischen Einheimischen und Zugezogenen. Bildungsangebote sowie die Einbindung in Kitas und Schulen leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration. Ehrenamtliche Unterstützung im Alltag ergänzt diese Strukturen und ermöglicht konkrete Teilhabe.
Vor diesem Hintergrund kommt der neuen Beratungsstelle der Diakonie Altholstein eine besondere Bedeutung zu. „Durch die zusätzliche Beratungsstelle können Bedarfe frühzeitig erkannt, individuelle Lösungen gefunden und kommunale Strukturen nachhaltig entlastet werden“, erklärt Thomas Deckner, Bürgermeister von Hanerau-Hademarschen.
Amtsdirektor Carsten Klug unterstreicht die Relevanz: „Die Stärkung der Integrationsarbeit vor Ort ist eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt unserer Region. Kurze Wege und direkte Ansprechpartner*innen machen dabei einen entscheidenden Unterschied. Die Diakonie Altholstein ist durch ihre Erfahrungen in diesem Bereich daher auch genau der richtige Partner an der Seite der Verwaltung.“
Seit der Eröffnung wird das Angebot intensiv genutzt: Im Zeitraum vom 15. September bis zum 11. Dezember wurden bereits rund 150 Beratungstermine durchgeführt. Die Ratsuchenden stammen überwiegend aus Syrien, der Ukraine, Afghanistan und Eritrea. Trotz zunächst geringer öffentlicher Bewerbung wurde das Angebot von Beginn an kontinuierlich nachgefragt. Für viele Ratsuchende ist Reza Hashemi dabei eine zentrale Bezugsperson geworden. Durch seine Sprachkenntnisse gelingt es ihm, Vertrauen aufzubauen und einen niedrigschwelligen Zugang zur Beratung zu schaffen.
„Unser Ziel ist es, geflüchtete Menschen frühzeitig zu erreichen und individuell zu begleiten. Dadurch werden staatliche Angebote entlastet, da Geflüchtete schneller selbständig werden und sich aktiv in das Gemeindeleben einbringen. So schaffen wir die Grundlage dafür, dass Integration nachhaltig gelingen kann“, so Gesa Kitschke. „Wir danken dem Amt Mittelholstein für das Vertrauen in unsere Arbeit und unsere Mitarbeitenden vor Ort.“ Mit dem erweiterten Angebot unterstreicht die Diakonie Altholstein ihre Rolle als verlässliche Partnerin der Kommunen. Gleichzeitig bietet die Beratungsstelle auch für Ehrenamtliche und engagierte Bürger*innen eine wichtige Anlaufstelle, um Unterstützung gezielt zu vermitteln und Integration gemeinsam vor Ort zu gestalten.
Mehr Infos: Flüchtlingsberatung Hanerau-Hademarschen
Foto (v.li.): Thomas Deckner, Bürgermeister Hanerau-Hademarschen, Sandra Mohr, Fachbereichsleiterin Bürgerservice Amt Mittelholstein, Carsten Klug, Amtsdirektor Amt Mittelholstein, Gesa Kitschke, Geschäftsführerin Diakonie Altholstein, Reza Hashemi, Migrationsberater Diakonie Altholstein, Anna-Lena Walczak, Fachbereichsleitung Migration & Integration Diakonie Altholstein.

