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Neue Räume, zwei Jubiläen: Bahnhofsmission Neumünster feiert 95 Jahre, Bahnhofsmission Mobil 15 Jahre

(Neumünster, 29. Oktober 2026) Heller, größer und deutlich sichtbarer: Die Bahnhofsmission Neumünster hat neue Räume direkt am Bahnhof bezogen und diese am Donnerstag, 29. Oktober 2026, gemeinsam mit der Bahnhofsmission Mobil Schleswig-Holstein offiziell eröffnet. Zugleich feierten beide Angebote der Diakonie Altholstein ein Jubiläum: Die Bahnhofsmission Neumünster besteht seit 95 Jahren, die Bahnhofsmission Mobil seit 15 Jahren.

Neue Räume: offen, geschützt und mitten im Bahnhofsgeschehen

Die bisherigen Räume mussten wegen baulicher Mängel aufgegeben werden. Den Umbau der neuen Räume hat die Deutsche Bahn finanziert. Herzstück ist ein Multifunktionsraum mit Kinderspielecke, Wickel- und Stillmöglichkeit, Ruhebereich und Platz für Besprechungen. In diesem Zusammenhang wurde die Bahnhofsmission als Klippo-Kinderschutzpunkt und als stillfreundlicher Ort ausgezeichnet.

„Mit den neuen Räumlichkeiten schaffen wir einen offenen, geschützten Ort für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen mitten im Bahnhofsgeschehen“, sagt Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein. „Durch die hohe Sichtbarkeit und die direkte Lage im Bahnhofsumfeld erreichen wir Menschen jetzt noch besser und früher und können so mit unseren Angeboten besser ins Quartier hineinwirken.“

95 Jahre Bahnhofsmission Neumünster: Hilfe, die sich mit der Gesellschaft wandelt

Die erste Bahnhofsmission in Deutschland entstand 1894 in Berlin. Sie sollte junge Frauen und Mädchen, die vom Land in die Städte kamen, am Bahnhof vor Ausbeutung und Gewalt schützen und ihnen Orientierung geben. Evangelische und katholische Bahnhofsmissionen arbeiteten früh eng zusammen; Hilfe in Notsituationen, ehrenamtliches Engagement und der besondere Ort Bahnhof prägen die Arbeit bis heute.

In Neumünster gründeten Frauen 1931 eine evangelische Bahnhofsmission. In der NS-Zeit wurde sie 1939 aufgelöst, 1945 nahm sie ihre Arbeit wieder auf und wurde zur wichtigen Anlaufstelle für Geflüchtete, Heimkehrer und Menschen in Not. 1946 stand am Bahnhof erstmals ein beheizter Raum zur Verfügung. In den folgenden Jahrzehnten kamen unter anderem die Betreuung von Fahrschüler*innen, Reisehilfen und Bahnsteigdienste hinzu.

Wie stark sich die Arbeit gewandelt hat, zeigen die Zahlen: 1980 betreute die Bahnhofsmission 43.647 Fahrschüler*innen und leistete über 26.000 Hilfen am Zug. 1993 waren es nur noch gut 1.500 Fahrschüler*innen. Dafür rückten Menschen ohne festen Wohnsitz und Menschen mit Migrationsgeschichte stärker in den Fokus. Bundesweit verstehen sich die Bahnhofsmissionen deshalb als „Seismografen“ gesellschaftlicher Entwicklungen: Soziale Ausgrenzung, psychische Belastungen, Migration und eingeschränkte Mobilität spielen eine immer größere Rolle.

Heute verbindet die Bahnhofsmission Neumünster klassische Reise- und Mobilitätshilfe mit niedrigschwelliger sozialer Unterstützung. 2025 zählte sie 10.241 Kontakte mit Hilfesuchenden, darunter 5.550 Reisende sowie Menschen mit sozialen oder finanziellen Schwierigkeiten, mit migrationsspezifischem Hilfebedarf, mit Behinderungen oder psychischen Belastungen.

„Für viele Menschen ist die Bahnhofsmission einfach ein Ort, an dem jemand zuhört, weiterhilft oder sich kurz Zeit nimmt. Genau das macht unsere Arbeit aus“, sagt Josefine Scotti, Fachbereichsleiterin Bahnhofsmission und mobile Hilfsangebote der Diakonie Altholstein. „Dass wir nach 95 Jahren nun in neuen, offenen und größeren Räumen weiterarbeiten können, ist für uns ein schöner Schritt und zugleich ein Zeichen dafür, dass die Bahnhofsmission auch in Zukunft gebraucht wird.“

Finanziert wird die Arbeit der Bahnhofsmission Neumünster primär durch Kirchenmittel und Spenden. Kleinere projektbezogene Förderungen ergänzen punktuell. 

15 Jahre Bahnhofsmission Mobil: unterwegs begleitet

Seit 2011 ergänzt die Bahnhofsmission Mobil Schleswig-Holstein mit Sitz in Neumünster das Angebot am Bahnhof. Sie begleitet Menschen auf Bahnreisen, für die das Reisen allein schwierig oder nicht möglich ist. 2025 waren es 155 Begleitfahrten mit insgesamt 1.031 Stunden; seit 2014 wurden mehr als 2.300 Fahrten mit über 16.000 Begleitstunden erfasst. Finanziert wird die Bahnhofsmission Mobil von der NAH.SH GmbH.

Ehrenamtliches Engagement

„Hinter all diesen Zahlen stehen viele ehrenamtliche Kolleg*innen, die Tag für Tag am Bahnhof da sind, zuhören, begleiten und anpacken. Ihnen gilt unser herzlicher Dank“, sagt Gesa Kitschke. „Die Jubiläen und die neuen Räume sind auch ihr Verdienst."