Eine Idee aus dem Kita-Alltag
Christel Bendfeldt arbeitete seit 2002 in der Medienstelle des damaligen Diakonischen Werks, die religionspädagogisches Material an Pastor*innen und Kitas verlieh. Erzieherinnen berichteten ihr dort, dass im Alltag oft die Zeit zum Vorlesen fehlt. Nach ihrer Ausbildung zur Seniortrainerin 2004 wollte sie ein Projekt schaffen, in dem sich Alt und Jung begegnen. Bei einem Vorlesewettbewerb in der Stadtbücherei fand sie Gleichgesinnte. Mit einer Anschubfinanzierung der Aktion Mensch, der Stadtbücherei als Kooperationspartnerin und Gabriele Wachholtz als Schirmherrin startete NeLe. Am 6. September 2006 las die Gruppe erstmals öffentlich: in einer Jurte beim Kunstflecken auf dem Großflecken, mit zehn Vorleser*innen, unter ihnen der damalige Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Bürsch.
Von der Jurte in Kitas, Pflegeheimen und Cafés
Aus dem Anfang ist eine lebendige Gemeinschaft gewachsen. Die Ehrenamtlichen lesen regelmäßig in Kindertagesstätten, Schulen und Senioreneinrichtungen vor, teils auf Plattdeutsch. In den Jahren 2015 und 2016 erreichte NeLe bei 675 beziehungsweise 743 Lesungen jeweils mehr als 7.700 Zuhörende. Seit 2011 gibt es außerdem die NeLe-Textwerkstatt mit heute zwölf Ehrenamtlichen: Hier besprechen die Teilnehmer*innen Literatur, üben das ausdrucksstarke Vorlesen und bereiten öffentliche Lesungen vor, etwa für Gottesdienste, Kirchengemeinden, das Gezeiten-Café und das Café des Mehrgenerationenhauses.
„Wenn am Ende jemand sagt, es war großartig, freut uns das sehr. Noch schöner ist der Austausch mittendrin: Wenn Zuhörer*innen reagieren und mitgehen, wird aus einer Lesung ein gemeinsames Erlebnis. Und wenn alle glücklich nach Hause gehen, ist das unser größter Lohn“, sagt Alexandra Mallon, Leiterin der NeLe-Textwerkstatt.
NeLe las an ungewöhnlichen Orten: im Affenhaus des Tierparks, in den Betten eines Möbelhauses, im Museum Tuch + Technik, in Kirchen, Cafés und auf Stadtteilfesten. Beim ersten Neumünsteraner Literaturschal 2018 gestaltete NeLe sieben von dreizehn Veranstaltungen, und mit „NeLe auf dem Sofa“ kommen die Vorleser*innen sogar zu Gastgeber*innen nach Hause.
Die Corona-Pandemie war ein tiefer Einschnitt. Kitas und Senioreneinrichtungen blieben lange geschlossen, auch 2021 waren Lesungen dort kaum möglich. Die Koordinatorin hielt in dieser Zeit telefonisch den Kontakt zu vielen Vorleser*innen. 2022 begann der Neustart: Zunächst wurde wieder in sieben Kitas und einem Seniorenheim gelesen, einige Ehrenamtliche kehrten nicht zurück, neue kamen hinzu, und die Textwerkstatt nahm wieder Schwung auf. Seitdem steht NeLe auch wieder auf den Bühnen der Stadt. Im März 2025 brachten vier Vorleser*innen beim Literaturschal „Fabeln und andere tierische Geschichten“ ins Bistro im Tierpark.
Heute engagieren sich 29 Ehrenamtliche bei NeLe. Sie lesen in Kitas und Senioreneinrichtungen, im Gezeiten-Café und – außer in den Ferien – jeden ersten Dienstag im Monat von 15:30 bis 16:30 Uhr im Café des Mehrgenerationenhauses Volkshaus. Auf dem Programm stehen humorvolle und nachdenkliche Geschichten, auf Plattdeutsch auch Verse zum Schmunzeln.
„Vorlesen ist weit mehr als das Vermitteln von Geschichten. Es eröffnet Kindern neue Welten und stärkt ihre Sprachkompetenz und Fantasie. Für die Vorlesenden entstehen dabei gemeinsame Erlebnisse, kleine Alltags-Abenteuer und wertvolle Momente der Begegnung – oft über Generationen hinweg. So bringt NeLe seit zwanzig Jahren Groß und Klein zusammen und schafft Verbindungen, von denen alle Beteiligten profitieren. Dieses ehrenamtliche Engagement ist von unschätzbarem Wert. Es verdient nicht nur Anerkennung, sondern bedarf auch Menschen, die sich einbringen, und verlässlicher Rahmenbedingungen, damit diese wertvolle Arbeit auch in Zukunft weitergeführt werden kann“, sagt Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein.
Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Besonders am Herzen liegen NeLe Kinder, denen zu Hause selten vorgelesen wird. Das Angebot ist kostenlos und ohne Hürden. Wer Freude an Büchern hat und sich engagieren möchte, ist herzlich willkommen, ob in der Kita, im Seniorenheim oder in der Textwerkstatt. „Wer als Kind vorgelesen bekommt, hat einen Vorsprung fürs Leben, und nicht jedes Kind erlebt das zu Hause. Dass NeLe seit zwanzig Jahren in unsere Kitas geht, ist deshalb mehr als eine schöne Geste, es ist ein Beitrag zu gleichen Chancen in Neumünster“, sagt Carsten Hillgruber, Stadtrat der Stadt Neumünster.

