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Wohnungslosigkeit vorbeugen statt bekämpfen: Neumünster setzt auf erfolgreiche Zusammenarbeit

Für die meisten Menschen ist die eigene Wohnung weit mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie bedeutet Sicherheit und Stabilität. Droht der Verlust der Wohnung, gerät häufig das gesamte Leben ins Wanken. Wer einmal wohnungslos wird, hat es in Zeiten eines angespannten Wohnungsmarktes besonders schwer, wieder Fuß zu fassen.

Prävention greift, bevor Wohnungslosigkeit entsteht

Die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) der Diakonie Altholstein setzt deshalb konsequent auf Prävention. Ziel ist es, Menschen möglichst frühzeitig zu unterstützen und Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Ergebnisse aus dem Jahr 2025  belegen den Erfolg dieses Ansatzes deutlich: Insgesamt wurden 233 Fälle im Bereich Prävention bearbeitet. Je früher Unterstützung erfolgt, desto größer sind die Chancen, die Wohnung zu erhalten. Das gilt vor allem für den Zeitpunkt der Einbindung der Beratungsstelle. Wurde die ZBS bereits vor einem gerichtlichen Verfahren eingeschaltet, konnte jeder drohende Wohnungsverlust verhindert werden. Aber auch in fortgeschrittenen Verfahren zeigt die Unterstützung Wirkung. So konnte bei einer vorliegenden Räumungsklage in rund sieben von zehn Fällen eine Wohnungs- oder Obdachlosigkeit noch abgewendet werden. Selbst bei angekündigten Zwangsräumungen gelang dies noch in knapp jedem dritten Fall.

Wohnraum sichern und Perspektiven schaffen

Dass die Arbeit der ZBS nachhaltige Erfolge erzielt, zeigt auch die ambulante Wohnbetreuung der Diakonie Altholstein. Seit 2019 wurden insgesamt 54 Wohnungen im Rahmen des Projekts angemietet und an Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf weitervermietet. In 31 Fällen konnten die Mietverhältnisse bereits erfolgreich in reguläre Hauptmietverträge überführt werden. Alle diese Mietverhältnisse bestehen bis heute stabil fort. Neun Haushalte befanden 

 

sich 2025 weiterhin in der Betreuung. Dem stehen lediglich drei Abbrüche gegenüber. Darüber hinaus konnten weitere Teilnehmer*innen in anderen Wohnraum, in andere Städte oder Bundesländer sowie in stationäre Einrichtungen vermittelt werden.

Erfolgreich durch starke Partnerschaften

Möglich werden diese Erfolge durch die enge Zusammenarbeit zwischen der ZBS, der Stadt Neumünster, dem Jobcenter, Vermieter*innen, dem Amtsgericht sowie weiteren sozialen Akteur*innen. Insbesondere die frühzeitige Weiterleitung von Räumungsklagen und Informationen über drohende Wohnungsverluste ermöglicht ein schnelles Eingreifen, bevor sich Problemlagen verfestigen.

„Die Arbeit unserer Mitarbeiter*innen in der Wohnungslosenhilfe ist oft sehr komplex und erfordert neben fachlicher Expertise viel Engagement, Ausdauer und ein gutes Netzwerk“, sagt Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein, und ergänzt: „Umso erfreulicher sind die Momente, in denen es gelingt, Menschen vor Wohnungslosigkeit zu bewahren und die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben zu erhalten.“

„Prävention funktioniert nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. In Neumünster erleben wir seit vielen Jahren eine sehr konstruktive und lösungsorientierte Zusammenarbeit. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass wir vielen Menschen den Weg in die Wohnungslosigkeit ersparen können“, unterstreicht Carsten Hillgruber, Stadtrat der Stadt Neumünster.

Aktuelle Bundeszahlen bestätigen den Neumünsteraner Weg

Dass dieser präventive Ansatz Wirkung zeigt, wird auch durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Zum Stichtag 31. Januar 2026 wurden in Neumünster 
20 untergebrachte wohnungslose Personenerfasst. Selbst bei einer statistischen Hochrechnung um Personen aus dem Bereich Flucht und Asyl, die in Neumünster im Vergleich zu den anderen Kommunen nicht erfasst wurden, liegt Neumünster mit rund 194 Personen* weiterhin deutlich unter den Vergleichswerten anderer Kommunen in Schleswig-Holstein, etwa Flensburg (675), Lübeck (1.490) oder Kiel (2.970).

„Für uns als Diakonie Altholstein bestätigen die aktuellen Zahlen damit einen Weg, den wir in Neumünster seit vielen Jahren erfolgreich durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten verfolgen: Prävention, Beratung und Unterbringung greifen hier erfolgreich ineinander“, sagt Gesa Kitschke. 

Über die Ergebnisse freut sich auch Thorsten Hippe, Geschäftsführer des Jobcenters Neumünster: „Wer nicht täglich um sein Zuhause bangen muss, kann sich auf Arbeit, Qualifizierung und neue Perspektiven konzentrieren. Deshalb ist die Präventionsarbeit der Zentralen Beratungsstelle ein wichtiger Baustein für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe.“

Herausforderungen bleiben bestehen

Während die Präventionsarbeit immer häufiger dazu beiträgt, Wohnungslosigkeit zu verhindern, wachsen die Herausforderungen bei Menschen, die bereits von Obdachlosigkeit betroffen sind. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen der Übernachtungsstelle wider: Im Jahr 2025 registrierte die Zentrale Beratungsstelle insgesamt 7.469 Übernachtungen (2024: 6.344).

„Die Menschen, die unsere Übernachtungsstelle aufsuchen, haben häufig sehr komplexe Problemlagen. Psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen und soziale Schwierigkeiten treffen oft zusammen und erschweren die Vermittlung in regulären Wohnraum erheblich“, erklärt Melanie Popp, Fachbereichsleiterin bei der Diakonie Altholstein. Hinzu kommt die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, die insbesondere für Menschen mit besonderen Unterstützungsbedarfen den Zugang zu einer eigenen Wohnung zunehmend erschwert.

*In Neumünster waren zum 31.1.2026 laut statistischen Bundesamt 20 untergebrachte wohnungslose Menschen gemeldet. Untergebrachte Menschen im Bereich Flucht werden nicht gemeldet. Hier wurde die gemeldet Zahl um den prozentualen Anteil an Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erhöht (89,7% in S-H; 85 % Deutschland gesamt), um diesen Effekt zu bereinigen.

Foto: Thorsten Hippe, Geschäftsführer Jobcenter Neumünster; Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein; Melanie Popp, Fachbereichsleiterin Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie Altholstein; Carsten Hillgruber, Stadtrat der Stadt Neumünster