Leitungswechsel mit fachlicher Kontinuität
Mit Anja Spingler übernimmt eine erfahrene Diplomtheologin und Sozialpädagogin die Leitung des BZM. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung sowie der ambulanten Familienhilfe. Zuletzt war sie unter anderem in Neumünster sowie im Kreis Pinneberg tätig.
„Ich erlebe ein engagiertes, hochqualifiziertes Team und eine Einrichtung, die für viele Familien in Neumünster unverzichtbar ist. Mein Ziel ist es, diese Arbeit weiterzuentwickeln und gemeinsam mit der Stadt und den Kooperationspartner*innen die Versorgung zu stärken – gerade weil der Bedarf weiter wächst", sagt Anja Spingler, Teamleiterin des Beratungszentrums Mittelholstein.
Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein, unterstreicht: „Mit Anja Spingler hat das BZM eine erfahrene und fachlich breit aufgestellte Leitung gewonnen. Sie wird die erfolgreiche Arbeit des Beratungszentrums gemeinsam mit dem Team weiterentwickeln und wichtige Impulse für die psychosoziale Versorgung in Neumünster setzen. Das BZM bleibt ein verlässlicher Anker für Familien in unserer Stadt."
Hohe Nachfrage, begrenzte Kapazitäten – Wartezeiten steigen
Im Jahr 2025 hat das BZM insgesamt 775 Fälle bearbeitet: 658 in der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung sowie 117 in der Paar- und Lebensberatung. Der Bedarf übersteigt die verfügbaren Kapazitäten deutlich. Mit Stand 31. März 2026 warteten 63 Menschen auf einen ersten Termin – ohne ein Terminangebot.
Die Wartezeiten haben sich spürbar verlängert: Im Bereich der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung warteten 23 Prozent der Ratsuchenden zwischen drei und sechs Monaten auf ein Erstgespräch, 3 Prozent sogar sechs bis neun Monate. In der Paar- und Lebensberatung warteten 43 Prozent der Klient*innen drei bis sechs Monate, 15 Prozent sogar sechs bis neun Monate. Einige Krisenfälle mussten nach einer kurzfristigen Erstberatung an den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) oder die Klinik weitergeleitet werden, weil alle Kapazitäten ausgeschöpft waren.
Die häufigsten Beratungsanlässe waren familiäre Konflikte und Beziehungsbelastungen (36 Prozent der Nennungen), psychische Erkrankungen oder Problemlagen der Eltern (20 Prozent) sowie Entwicklungsauffälligkeiten und emotionale Probleme bei Kindern und Jugendlichen (23 Prozent). Mehr als jede fünfte Beratung im Bereich der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung hatte Trennung und Umgangsregelungen als Schwerpunkt.
„Die Zahlen zeigen, was wir täglich erleben: Der psychische Druck auf Familien in Neumünster ist groß. Kinder in Trennungskonflikten, Eltern mit psychischen Erkrankungen, junge Menschen in Krisen – sie alle brauchen schnelle, niedrigschwellige Hilfe. Dass viele von ihnen monatelang warten müssen, ist keine akzeptable Situation", erklärt Anja Spingler.
Gruppenangebote für Trennungskinder: fachlich bewährt, hoch nachgefragt
Ein besonderer Schwerpunkt im Jahr 2025 waren die Gruppenangebote für Kinder aus Trennungsfamilien. Zwei Gruppen mit je sieben Kindern wurden durchgeführt – ergänzt durch eine Elterntrennungsgruppe mit sieben Elternteilen. In sieben gemeinsamen Sitzungen lernten die Kinder, ihre Gefühle auszudrücken, persönliche Bewältigungsstrategien zu entwickeln und sich in einer unterstützenden Gruppenatmosphäre getragen zu fühlen. Parallel arbeiteten die Eltern an ihrer Kommunikation und ihrem Umgang mit dem anderen Elternteil – denn eine Trennung belastet immer die ganze Familie.
Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Für 2026 sind daher insgesamt drei Gruppen für Trennungskinder geplant; der erste Durchgang fand bereits zu Jahresbeginn statt. Im Mai 2026 startet ergänzend eine weitere Elterngruppe nach Trennung.
Wenn Eltern sich trennen, sind die Kinder oft die Leidtragenden – nicht weil die Eltern es wollen, sondern weil Konflikt und Schmerz die Aufmerksamkeit für die Kinder überlagern. Die Gruppenangebote der Diakonie Altholstein schaffen einen geschützten Raum, in dem Kinder merken, dass sie nicht allein sind, und ihre Gefühle einen Platz haben dürfen.
Zusammenarbeit mit der Stadt Neumünster
Die Diakonie Altholstein und die Stadt Neumünster blicken auf eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit und das gemeinsame Ziel, Familien, Kinder und Jugendliche in belastenden Lebenssituationen zuverlässig zu unterstützen.
Carsten Hillgruber, Stadtrat der Stadt Neumünster, erklärt: „Das Beratungszentrum Mittelholstein leistet einen wichtigen Beitrag für Kinder, Jugendliche und Familien in Neumünster. Gerade angesichts der steigenden Nachfrage ist es wichtig, dieses verlässliche und fachlich starke Angebot gemeinsam mit der Diakonie Altholstein dauerhaft zu sichern."
Die Stadt Neumünster finanziert die Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung sowie die Fachberatung Kinderschutz des BZM. Weitere Angebote wie die Paar- und Lebensberatung werden überwiegend durch Eigenmittel der Diakonie Altholstein getragen; eine halbe Personalstelle in diesem Bereich wird durch kirchliche Mittel finanziert. Weitere Projekte und Angebote des Beratungszentrums werden durch Landesmittel gefördert.
Foto: Anja Spingler, Teamleiterin Beratungszentrum Mittelholstein, Diakonie Altholstein, Nadine Ginzel, Geschäftsbereichsleitung Familie, Diakonie Altholstein und Carsten Hillgruber, Stadtrat der Stadt Neumünster (v.li.)

