30_Jahre_ZBS

30 Jahre Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) der Diakonie Altholstein

(Neumünster, 25. September 2025) Heute beging die Diakonie Altholstein das 30-jährige Bestehen ihrer Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS). Seit der Gründung im Jahr 1995 haben die Mitarbeiter*innen über 17.900 Menschen beraten und mehr als 5.900 Menschen in der Übernachtungsstelle aufgenommen. Im Jahr 2024 wurden 694 Fälle bearbeitet, 6.344 Übernachtungen gezählt und rund 3.300 warme Mahlzeiten in der Tagesstätte ausgegeben. Damit ist die ZBS eine unverzichtbare Anlaufstelle für Menschen in Notlagen.

Die ZBS wurde nach einem von der Gesellschaft für Innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS) erarbeiteten Konzept als zentrale Anlaufstelle in Neumünster etabliert. Neben Beratung, Übernachtungs- und Tagesstätte gehört auch eine Poststelle zu den Angeboten – ein oft unterschätzter Dienst, der Menschen ohne Meldeadresse postalische Erreichbarkeit und damit Teilhabe am Sozialsystem ermöglicht.

„Das 30-jährige Jubiläum ist für uns kein ungetrübter Anlass zum Feiern, sondern vor allem ein Moment, innezuhalten und auf die weiterhin wachsenden Herausforderungen hinzuweisen“, sagt Gesa Kitschke, Geschäftsführerin der Diakonie Altholstein. „Rekordauslastung in der Übernachtungsstelle, die zunehmende Komplexität der Fälle und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum machen deutlich: Unsere Arbeit ist notwendiger denn je.“

Die Zahlen sprechen für sich

Im Jahr 2023 wurden in der Übernachtungsstelle 6.463 Übernachtungen gezählt – ein Höchststand seit Bestehen der ZBS, der das Team zwang, Notbetten in den Fluren aufzustellen. Mit 6.344 Übernachtungen lag die Zahl 2024 nur knapp darunter und zeigt, dass die Auslastung dauerhaft auf extrem hohem Niveau bleibt. Gleichzeitig steigt die Komplexität der Fälle: Immer mehr Menschen suchen mit psychischen Auffälligkeiten und Erkrankungen Hilfe in der Beratungsstelle, was eine besonders intensive Begleitung erfordert. Auch die Präventionsarbeit stößt an ihre Grenzen. Im Jahr 2024 gingen 100 Räumungsklagen bei der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) ein. Zwar konnte die Erfolgsquote (bei der Verhinderung des Wohnungsverlusts) im Durchschnitt bei 90 Prozent gehalten werden, doch ohne ausreichend bezahlbaren Wohnraum bleiben die Vermittlungschancen eingeschränkt.

„Wir sind stolz auf das, was wir als Team in den vergangenen Jahren geleistet haben – und das unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen“, sagt Melanie Popp, Fachbereichsleitung Wohnungslosenhilfe. „Unsere Aufgabe ist es, auch in herausfordernden Zeiten Stabilität zu geben und Perspektiven zu eröffnen.“

Ein gelungenes Beispiel für diesen Ansatz ist die Ambulante Wohnbetreuung, die seit 2019 läuft und inzwischen verstetigt wurde. Die Diakonie Altholstein mietet Wohnungen an, übernimmt vorübergehend das Mietrisiko für Vermieter*innen und begleitet die Bewohner*innen. Wer Stabilität im Wohnen findet, kann auch beruflich und sozial wieder nach vorne blicken.

Auch Stadtrat Carsten Hillgruber würdigt die ZBS: „Die Zentrale Beratungsstelle ist ein zentraler Pfeiler der sozialen Unterstützung in Neumünster. Sie steht für praktische Hilfe, Empathie und Professionalität. Ohne diese Einrichtung wären viele Menschen in unserer Stadt auf sich allein gestellt.“

Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung sieht vor, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden: „Die Ziele sind unbestritten und richtig – doch das bisherige Handeln bleibt deutlich hinter den Anforderungen zurück. Es mangelt an bezahlbarem Wohnraum und an ausreichend wirksamen Präventionsmaßnahmen. Wenn wir das gemeinsame Ziel ernst nehmen, Wohnungslosigkeit in Deutschland zu beenden, muss endlich entschlossen gehandelt werden“, bringt Gesa Kitschke die dringenden Forderungen auf den Punkt.

Das 30-jährige Bestehen der ZBS ist damit weniger ein Grund zum Feiern als vielmehr ein Spiegelbild der Gesellschaft: Es zeigt die wachsenden sozialen Probleme ebenso wie die große Solidarität in Neumünster. Zugleich macht die Arbeit der Beratungsstelle deutlich, dass das soziale Klima in vielen Bereichen rauer geworden ist – ein Befund, der die Bedeutung von Menschlichkeit, Empathie und Engagement umso mehr unterstreicht. Die ZBS steht für die gemeinsame Verantwortung, niemanden zurückzulassen.